Sprue-Diagnostik

Sprue




Neben serologischen Methoden kommt der histologischen Untersuchung bei der Diagnostik einer Zöliakie große Bedeutung zu. Einzelparameter sind hier insbesondere die Vermehrung intraepithelialer Lymphozyten, die Störungen der Kryptenarchitektur wie Zottenverplumpung und -atrophie sowie die Kryptenhyperplasie. Für die Praxis wichtig ist eine exakte und einheitliche Klassifikation, damit der behandelnde Arzt das Ausmaß der Schädigung abschätzen und Therapieeffekte kontrollieren kann. Bewährt hat sich hierbei die Einteilung nach MARSH, die von der Arbeitsgemeinschaft gastroenterologische Pathologie bei der Deutschen Gesellschaft für Pathologie modifiziert wurde:

 

Marsh Typ 0

Histologisch findet sich eine normale Schleimhaut.
Diese Diagnose kann nur bei Vollremission einer bekannten Sprue gestellt werden.

Marsh Typ I (infiltrativer Typ)

Dieses Stadium ist für eine Zöliakie nicht beweisend, eine weitere Abklärung ist jedoch, insbesondere bei positivem Ausfall serologischer Untersuchungen, erforderlich (histologische Kontrolle nach Glutenbelastung bzw. jährliche Kontrolle).
Mikroskopisch zeigt sich als einziges Kriterium eine Vermehrung der intraepithelialen Lymphozyten
(> 40/100 Epithelzellen).

Marsh Typ II (hyperplastischer Typ)

Seltenes Übergangsstadium vom Typ I zum Typ III bei Patienten mit fokalen Zöliakieläsionen.
Histologisch findet sich die bereits beim Typ I vorhandene Vermehrung der intraepithelialen Lymphozyten und zusätzlich eine Kryptenhyperplasie.

Marsh Typ III (destruktiver Typ)

Dieser Typ ist mit reichlicher Sicherheit beweisend für eine Zöliakie, wobei differentialdiagnostisch nur wenige andere, überwiegend seltene Diagnosen in Erwägung gezogen werden müssen. Dazu zählen die tropische Sprue, die Autoimmunenteropathie, die Nahrungsmittelproteinintoleranz, der M. Crohn und protrahierte Infekte.
Feingeweblich finden sich wie beim Typ II eine Vermehrung der intraepithelialen Lymphozyten mit Kryptenhyperplasie sowie zusätzlich Zottenverplumpungen und -atrophien unterschiedlichen Grades, degenerative Epithelschäden und vermehrte Entzündungszellen in der Lamina propria.

Folgende Subtypen werden unterschieden:

Marsh Typ IV (hypoplastischer Typ)

Sehr selten als Folge einer lang andauernder Mangelernährung bei nicht behandelter Zöliakie.
Histologisch findet man eine totale Zottenatrophie ohne Kryptenhyperplasie.

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